Flauer Power

Du wirst mir zuhören, du wirst wie immer dein linkes Augen ein wenig zusammenkneifen und mir geradewegs und ununterbrochen ins Gesicht schauen, auf meinen Mund, was ich nicht bemerke, weil du grösseren Abstand wahrst, als dass mir diesen feinen Unterschied zu erkennen vergönnt wäre, aber ich weiss es. Du hast es einmal gestanden als du besoffen in deiner kleinen Brust geschwommen bist, bemüht, ein klein wenig das Ertrinken zu üben, gerade so, dass du dich noch an irgendeinem Ast herausziehen kannst, denn nur auf diese Weise – das wissen wir mit unserem Verständchen – ist Ersaufen schön. Ach was! Ich verurteile das nicht, es ist menschlich. Immer mal wieder ein wenig Elend gurgeln, so zum alleinigen sehnsüchtelnden Spass. Wer besucht nicht hin und wieder diese Behelfstiefen. Wer nicht.
Du wirst mir zuhören, wie immer, aber ich weiss, dass deine Konzentration eine mieseste unter diesem Himmel ist. Zu viel Energie verbrauchst du für dieselbige. Pass auf, einmal Mädchen, was ich zu sagen gedenke, ist dies: Kein Wortgebilde in seiner ganzen äusserlichen Bauschigkeit will genügen, nicht ein Satz, mag er sich noch so extravagant in unsere Köpfe tollen, kann bestehen. Das ist alles seichtes Aufgeblasensein. Das ist erbärmliches Unverständnis. Es ist, ausserhalb deiner molligen Süssholzraspelwerkstatt peinlich. Ja, p e i n l i c h. Ah! - rück mal wieder etwas weg und hör auf, auf meinen Mund zu starren, ich merke, dass du es tust, schau mich an, und, scheisse, klick nicht immer an dem Feuerzeug rum, es ist leer. Wenn es leer ist, dann kommt da nichts mehr raus, Mädchen, ausser du füllst es auf, leer ist leer, siehst du. Und alle deine Rüschenworte und verschachtelten Spitzenandersartigkeiten sind auch leer. Eine hübsche Feuerzeughülle hast du da, zugegeben, und gerade ebenso hübsch für Dumme sind deine Wortspachteleien, aber das ist doch, geradeheraus gesagt, fauler eierstinkender Schwachsinn. Ich dachte anders über dich, weißt du, ich erwartete mehr von dir. Du rotzt hin, was dir an possiblem kreuzwortigem Schwulstblumenbouquet aus den Fingern eitert, ohne den Umweg über dein Hirn zu machen, ohne jegliche Überprüfung auf Standfestigkeit des Geschmierten. Flower-Power ist flaue Power. Was so adrett in die Welt blüht beim ersten Überfliegen, welkt nach kürzester Zeit zu einer verschrumpelten Kümmerlichkeit zusammen. Kein Bestand hat, was hohl ist.
Du übst dich in Eloquenz? Ja, Herrgott noch mal, du übst dich in einseitigem Gelähmtsein. Das ist wahrlich bewundernswert. Und alle anderen vorwiegend beidseitig Gelähmten begiessen dein Unkraut im Blumenpelz auch noch mit Dünger für förderliches Ausdehnen dieser Behinderung. Du Lama, spuckst weit und scheisst doch nur hinten raus wie alle anderen. Du hättest das Zeug zum Goldesel, Mädchen, du könntest, wenn wir schon alle nicht ohne Kacken können, du könntest wenigstens Gold zu deinem Arsch rauslassen. Was hat eigentlich mein Mund, verflucht? Ein Brotkrümel? Hörst du mir eigentlich zu?

5.6.07 01:25

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


regenrauschen / Website (5.6.07 12:53)
Was hast Du erwartet? Mehr? Ja, ich habe zugehört. Der Krümel ist weg. Was, also? Tine


A. (5.6.07 19:59)
Ich habe von niemandem irgendetwas erwartet, ausser von mir selbst. Wie kommst du darauf?


Elias (6.6.07 10:08)
Nimm es mir bitte nicht übel, aber ich muss echt lachen. Mich amüsiert diese auf die Spitze des Grotesken getrieben Selbstkasteiung, die mich einfach zur isronischen Ausdeutung nötigt. Das spricht nicht unwesentlich für (D)einen freien Geist und, wenn ich recht lese, für mein "hübsches Dummsein". "Seufz".
Diese Form des digitalen Masochismus wird hoffentlich keine bleibenden Gewebeschäden hervorrufen. Ich hänge nämlich an meinem Körper, unbedingt. Bestes Dir E.

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