einer Madamm

Es ist folgendermassen: Lawinen krachen unentwegt und in verlässlicher Brechmanier von meinem Schweizer Hausdach. Aber: damit muss man sich abfinden, weißt du, damit muss eine gebürtige und stolze Madamm zurechtkommen, denn nichts will leichthin gefühlt werden. Soviel steht fest, bislang ohne jede Wertung.

Naja, was rede ich. Wir sind wild und jung. Sagst du. Und in deiner Gegenwart lache ich und fühle, wie mir der Wind durch die würdigen Brauen fährt und sie hochzieht in ungestümer Ausgelassenheit. Wie recht du hast, Madamm, er macht uns schön, dieser Mistral, und die Augenbraue und der ungetrübte Mut, der gleichsam dem schimmligen Pilz im Käse unsichtbar unsere kleine Lebendigkeit durchzieht. Und dass du Käseessen dem Zähneputzen zuweilen vorziehst, ist nicht minder ein Beweis für das zähe Aufrappelungsblümchen, das uns auf der Zunge wächst, sobald wir unter Schneepressur leidend Lacher durch die Leitung brüllen.

Ein kleines Nebenbei: beinahe hätte ich dem Wort Lachen ein Attribut beigefügt, das ich aber noch rechtzeitig als ungünstig erkannte, da man es in unserer versauten Gesellschaft womöglich falsch verstehen könnte. Dass wir genau aus dieser erbärmlichen und dennoch hinweggeliebten Flanke Verschrobenheit unsere Aufbaumedizin holen, da brauchen wir uns nichts vorzumachen, und so komme ich auch nicht umhin, die kleine Bermerkung hier anzubringen: unsere madammösen Spielereien sind von unaussprechlich hohem Wert.

Du lachst jetzt, das beruhigt mich.

Bestimmt ist dir nicht entgangen, wie aussagelos ich vor mich hindümple. Die Ernsthaftigkeit, bei allem madammatischem Ungestüm, quillt mir bisweilen die Haut zum Bersten auf. Menschen, die ich mochte, gähne ich mir hinter den Rücken und kauere mich nach schlecht gemimtem Abschleichen auf meinen Fenstersims, um gleich wohin zu starren. Ich genüge mir, und genüge mir zugleich nicht im Geringsten. Diskrepanz bricht mir Schluchten in meinen ohnehin langsam begangenen Trampelpfad, wobei ich mich, bei Gott, nicht über mein Leben beklagen kann. Und meine Haut hält dicht. Wenns um Vertrauen ginge, wünschte ich mir einen Freund von solcher Verschwiegenheit, geht es aber um Vorankommen und Ausdruck und Gesellschaftliches, möchte ich eine derartig stumpfdämliche Stummheit in die Zähne eines Müllhaldenreisswolfs kotzen.
Nagut. Sage ich heute mild: Nagut.


Wirst du mich im herbstgeneigten Sommer auf meiner altstädtischen Dachterrasse besuchen kommen? Es wären mir Windböen im Gesicht!



Deine Nose Ense




Anmerkung: Ja Madamm, wie schön das Einerlei ist, nicht wahr?, wie arschgeleckt man die Eitelkeit einmal an den Haken lyncht und sich gleichwohl baumelnd im Luftzug wähnt. Ohne zu hängen.

Lass uns fischige Luftblasen in die Welt husten und unsere kleinen Lügereien für heute überlachen.

27.5.07 17:55

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