Elégie, Gabriel Fauré

Die Zeit verliert ihre Geradlinigkeit. Sale de Tressoir, das ist lange her. Unzerkünstelt verfalle ich einem Wiegen, von Wänden kommt nichts mehr, nicht von der Mauer des Hauses, nicht von inneren Palisaden, die einstmals - wie verloren wir doch manchmal sind! - in aufrührerischer Lebensverworrenheit errichtet wurden. Fauré: ein nie Erkanntes fackelt seine Bahn, ich spiele, um ein Leben, um eine dorrende Erinnerung; um ein Damals: Madlaina. Wären wir geblieben, nach dem Konzert, wären wir nur geblieben in aller Heiligkeit eines verklungenen Abends, hätte ich nicht meinen Bogen entspannt, ihn schicksalsstörrisch in die Ecke des Saales geworfen, hätte ich meine Ärmel hochgekrempelt, milder, hätte ich dich an der Hand gefasst und gesagt: Komm. Noch einmal. Ein letztes Mal. Und ich weiss!, es wäre nicht ein letztes Mal gewesen.
Wie man sich zurück wünscht in ungewogenen Zeiten. Nichts mehr bricht über mich herein als Gewissheit um ein Verschenktes. Wenn nicht die Musik, was dann? Wenn nicht in Musik, wo dann sollte man eben diese finden? Nicht in Sprache, dazu bin ich nicht fähig, sie bröckelt vor sich hin, dissonant und stossend. Ich wiege mich. Einmal noch. Die falschen Töne richten sich im Vergessen des Momentes gerade; nichts! ah - will verfälscht sein. Namen quellen den Raum. Und Augenblicke, die Jetzt waren, vormals. Nur immer im Nachhinein weiss man es, dann drängt sich eine Erinnerung durch das Sieb des Bewusstseins und bewehklagt das vergangene Heute. Nicht in der Stunde selbst wird man dessen gewahr, es ist gleich dem Schlaf, man schlummert und weiss es nicht, kommt nicht an gegen dies unschuldige Verbrechen, ein grösstes Geschenk zu verkennen. Nur ein verklärtes Unding bleibt, das, einstweilen donnernd im Zeitschlag Augenblick, gekrümmt in Schrank der Erinnerung klebt.
Madlaina. Das Leben entgleitet stets; wenn ich die Bäume betrachte, schäumen mir die Säfte auf, wenn ich Gesprächen lausche, gleich woher sie stammen, taumelt mir das Unbestimmte unter meinem Brustgeripp. Seien es Strassen, denen sich mein Blick entlang zieht, seien es die Jaquetteknöpfe eines scharfkonturierten Assistenten - Madlaina, die Welt verwehrt sich mir vollends in jenen Atemzügen. Sie sperrt sich gegen mich, dann, wenn meine Gedanken über sie herfallen, wenngleich nur durch die Hintertür eines belanglosen Einfalls.

Ah - ! Hättest du.
Und nichts wäre anders.

17.5.07 17:29

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