Weiße Nächte, Dostojewski

Was für ein Buch - was für ein wunderwunderbares Buch!

2 Kommentare 17.5.07 14:25, kommentieren

Prototyp: Schwamm

Tage brechen über den Taktstrich eines verstörten vierundzwanzig Stunden Rhythmus; man steht dabei, als unbeteiligter Zuschauer, und gafft mit Kalbsgesicht der Tonfolge einer Zeit hinterher, der man nicht zu folgen wagt.
Bevor ich es vergesse: Nicht zuletzt, das will ich zu Beginn ohne jegliche äussere Veranlassung anfügen: Nicht zuletzt such ich mit falscher Geduld eine schlichte Sprache. Wo bleibt die stolze Anmut bei solch überbordendem kostümfestlichen Feiern der Worte?
Zuweilen lächle ich ein wenig. Das ist nicht ungesund, wird gesagt. Ich lächle ein wenig, während ich am Fenster stehe und mit vornübergebeugtem Oberkörper hastig eine Parisienne rauche. Schäbig ist es, wie ich gleichwohl meine, eine Zigarette in solch einem Moment mit aufgeregten Atemzügen aufzusaugen, aber unsinniger Anstand hält einen zu so manchem an, dem man unterkrustig abgeneigt ist, da man weiss, dass er in jenem Augenblick lediglich Zeichen behinderter Unflexibilität ist. Ah! Diese schwuchtelige Sprache! Da liest man, weil man lesen muss, so einen Malte Laurids, mit minimalster Konzentration und marodem Motivationskatapult, liest und nervt sich schon von der ersten Zeile weg ob der Sprache, die sich in einem ordentlich langweiligen Rhythmus hinterlistig in den Sprachschatz einsülzt, um bei nächster Gelegenheit scheinheilig - wuah. Gut. Gutgut.
Schon wieder kracht ein HaltdieFresse durch meinen faulen Schädel. Ungeachtet einer wohlgemeinten Portion Geduld fingert ein elendiger Zweifelsgott in meinem Garten und gräbt mir die, wenngleich nur mit perforierter Begeisterung gesetzten, Zukünfte um. Du Arschgott. Du vermaledeiter - und das sage ich nur um meiner selbsbetrügerischen Aufheiterung willen - du vermaledeiter Hoffnungsbekacker.

Nun, es wird Zeit, verrostete Züge auszurangieren. Aber wohin mit den Altlasten? Es interessiert mich eben wenig. Wie mich im Grunde auch in ähnlich geringem Masse meine hiesigen Wortklaubereien interessieren. Ich bin teilhaftig an einer kleinen Lächerlichkeit, die selbst noch nicht zugeben will, dass sie ohne Rückgrat als Schwamm geboren wurde. Gerade gut genug um meine Pisse aufzuwischen, die mir in der Aufregung Leben neben die Kloschüssel gerät.

So. Und ein paar neue Worte habe ich auch gelernt, das ist ein Vorteil, der doch recht hübsch in mein kleines Schaubild passen will. Ein unzusammenhängender Tag streift gleichsam einer Katze mein Knie. Ich stoss ihn, das wehleidig maunzende Ding, vor die Tür. Nimm den Zug der Zeit, sage ich, und lass mich. Es geht mir gut.

16.5.07 13:49, kommentieren

Winter 2007 | Gedichte

Unter Azurblau im Regen
steh ich und kaue ein Stück
Brot um die Füsse
zu beschweren.

Im Radio:
¿quién te besará por mí?
My Darling.

Die Sonne von Gestern
so luftschlagend heute.
Ein Kreischen –
mein Brot –

My Darling.

Am Boden sitzt
der Wind, er frisst die Rinde
und ich
ich werde übers Land gefegt.







Man erfindet einen Halbgesang
aus Holzfasern
vom Kneipentisch und streckt

den Arsch zum Fenster
hin wo dahinter
die Welt sei.

Man leckt ein bisschen
über vertrocknete Worte
in Zwieneigung
zu Hunger. Man sagt

aus verwahrlosten Mündern: Du.

Ich möchte ja.
Manchmal.







Fliehmoment ¦ Ein Sekundenschnitt


Wo es doch steht da:
hinter dem Fenster wo die Wirrung
sich in Zirren zerfegt. Ein Verzeihen
vielleicht, oder ein Jubeln gar im Singsang -
ein Gang zur Kirche
unter dem Stachelbeerstrauch.

Wo es doch geht da: das Licht
über glänzende Hausmauern
und Schatten nur hinter den Fensterläden
im Norden. Ein Kauern hinter dem Sims
dann ein Lehnen nach draussen. Du auch?

Frag ich, wo es doch vorüberweht:
da, eine Stunde nur, verpackt in Todsekunden.
Ich auch. Sagst du. Und wir,

wo es doch fleht da, geschunden:
wir rühren uns nicht.






Malice



nach dem Sinnfall
ein neuer Aufschlag

der Augen und das Gespeite
im Aschenbecher
dorrt kokett zum Adieu

Monsieur: herzüber
will ich mich
ans Leben stanzen, heute

und glauben -

bis hämisch der Aberabend
die Nägel zieht






Atemschlag
als ich den Vorhang
fällte:

Es gibt die Welt nicht
und das Gehöft
der stillen Einkehr.

Von Flucht zu Flucht
kriech ich
ein Zedern gesäumtes
Verstümmeln der Hände
und wo Halt war
liegen meine Zähne tot.

Schwester,
ich habe den Vorhang gefällt
um Brücken zu spannen
nach Hause -
Ich habe den Vorhang
übers Licht gestürzt.

Sei du die Grosse,
Schwester, noch einmal:

zieh mich am Haar
das blieb mir noch.

1 Kommentar 10.5.07 00:28, kommentieren

Archiv | 2006 | Gedichte

Der du mir fern bist. Auf dem Meer
mit Händen aus Papier und Augen
aus Druckerschwärze. Du segelst.

Des Nachts, das Festland
vom Leib geschält, umwinde ich
mich mit deinen Händen und werde ganz schwarz
von deinen Augen. Ich schwimme.

Zu dir. Der du mir fern bist. Und wir atmen
uns Wellen, die uns
uns entgegen treiben. Des Nachts.
Die wir.









noch im Hals brichst
du mir die Halme: Wort

so spucke ich dich
aufs Papier für Wellen –

schlag.
mich.
ortwärts.








wie das sonnenlicht
scheinheilig auf den wellen
sehnsucht bricht
durch die mücken

so bist du

und ich
ich dummes mädchen greife
danach, immer

ferne

zu spät: schon habe ich
heimat zu dir
hinüber geworfen







Behutsam lagen wir
beieinander, tranken Vergessenheit
gegen die Welt und horchten

der Dämmerung über der Stadt
und ein bisschen Musik zog
Kringel in unser Haar.

Die Worte aber erstickten
im Saum des Niemals
noch hinter den Lippen.

Dreh um.







über Jahre



versprochen, schrieb ich, den einen
vor Jahren versprochen
als Wind unsere
Namen zerwarf. so tosend.

im Gewächshaus
war ich. im Glashaus. und du
irgendwo
in dir verloren. aber

versprochen, als Wind
uns ineinander wehte und wir
halb totgestreift
im Sturm nur Fetzen
von Haut des anderen bargen
um uns vor Kälte
vor Blösse damit zu schützen

über Jahre
allein über Jahre

versprochen, den einen, und nun
im Gegenwind, so stumm,
gegeben, den einen

Kuss.
was nun.








(Unfassbarkeiten)



der wind bläst sand über die dächer. vergrabe sie.
sie atmet schwer atmet röchelnd der sturm
versperrt wütend die ausgänge versperrt wahnwitzig versperrt.
fremd peitscht zorniges begehren. schlag zu.

das leben in einer nacht, mehr ist
tritt ins schale mehr ist sterben. in einer nacht
das leben schlag zu sie beugt sich nicht
schlag zu sie will.

wolken quellen den brustkorb
zum sprung. das auge verloren im september.
küsse und sanftes streicheln. das leben
in einer nacht es ist keine zeit schlag zu
schlag zu es muss reichen.

sie wacht auf. im september
zitternd die wange schwarz. ein sterben.
blühend geliebt zum sterben.

der wind bläst sand über. kein dorf keine dächer.
ausgeatmet. die eine nacht ein leben.









Wie Säure so sanft



Die Ferne zerknüllt
unter meinem gebetteten Kopf und
unsere Namen zittern
Nähe über unsere Leiber.

In Ahnung verflochten
heisern wir ein Wo bist du? und rufen
nach Orten des ersten
ewigen Mal.

Später: nun in Nacht
zerflossen und in Schweigen

verkümmern wir
veratmet
zu einem verlorenen Hier.








stummgefleht.

in worten die quellen
wie harz in wahnwebenden
worten. in sinkenden. zeit.
ein epochaler irrflug
zu worten aus bernstein zu worten
unter sedimentärem herzgefüge
verkeilt nach distanzbruch. ferne
orte verflochten ortlos
sich umwindend. ferne münder

weltverloren.
ineinandergewütet.










Berlin



grüne Schuhe tragen mich
durch die Strassen und
aus verborgenen Ecken
flüstern vergangene Zeiten von Sehnsucht

Quellmund: weil ich
Scherben nach Hause sprach
die meine Kehle
weinen lehrten. und so
zerwölbte sich mein Gesternhimmel
ist schmerzstumm hin
gegen den Horizont verstorben

werde aus dem Winkelwispern
du mir nun zum Phönix, denn:

die Welt ist schwarzweiss
und ich
im roten Kleid wartend








Kol Nidrei


schädeldeckenschreie türmten wolken
wühlten den himmel, wühlten ihn wund

und ich spielte
spielte lechzend windend
brannte mir kruste
von meinem leib

spiele, wirre, ja spiele
spiel für dein schwarzes haar, spiel
dass du den bogen mit seele bespannst und spiel
dürstende, sing deine finger blutig
sing, damit dein becher sich füllt

im auge. nun zitternd im auge
blindberührt und nackt








Seitenschweigen


Ich schnitze mir Worte
in die Fusssohlen, deine,
weil ich nicht darf und weil
nur Füsse tragen können.
Fernflimmernd

reibe ich Giftgras dann
auf meine Brüste, damit
mein Herz in die Fersen sich
flüchtet, um dort die Worte,
deine,
in Blüte zu tränken.

Wortmal wird Wahntal

Und ich sehne
durch die Wiesen, deine,
heimlich kopfunter. Weil ich
verschweige. Weil heute
nur Füsse
mir Boden sind.







meine täler


ich glätte
mir die sehnsucht
aus der stirn

damit
deine freiheit sich
nicht in meinen schluchten
verliert
und eben
bin ich jetzt

flehend aber
hinter der gespannten
maske windend:

so schäle mich doch!







fluchtpunkt


du treibst funkenschlag
mit deinen händen auf
meinen schalenleib wenn wir
uns lieben

und es brennt
für flutende augenblicke mir

wege
nach aussen







verhallte Stelle links der Mitte.
ich habe die Melodie vergessen
die beiläufig drängend
die Welt mir gesungen hat






aufleben


die blätter rauschen
leise die wehmut in meine
verdorrte kammer

und die brechenden
äste der palisaden ritzen
an den wänden, dass endlich

mein blut
mich giesst

10.5.07 00:16, kommentieren

Es fehlt mir die Zeit. Und ungleich mehr fehlt es mir an Sprache. Nicht nur ihre Beherrschung will mir schwer fallen, sondern auch das legitimierende Gefühl für eine sinnvolle Verwendung ist mir abhanden gekommen. Alles scheint lachhafter zu werden, je länger ich mir mit rechtfertigenden Gedanken den Kopf ermüde.
Das schlimmste aber ist das Wissen um das absolut Unkünstlerische, das diesem Gejammer innewohnt. Wo will man hinkommen so? Wo will man überhaupt hinkommen?

1 Kommentar 8.5.07 21:57, kommentieren

Eingewildert eine Liebe.

7.5.07 00:30, kommentieren

Archiv | 2006 -- Ok, das ist ein Scheiss hier. Trotzdem: ein fetter Gedichtklotz.

Der du mir fern bist. Auf dem Meer mit Händen aus Papier und Augen aus Druckerschwärze. Du segelst. Des Nachts, das Festland vom Leib geschält, umwinde ich mich mit deinen Händen und werde ganz schwarz von deinen Augen. Ich schwimme. Zu dir. Der du mir fern bist. Und wir atmen uns Wellen, die uns uns entgegen treiben. Des Nachts. Die wir. -- wie das sonnenlicht scheinheilig auf den wellen sehnsucht bricht durch die mücken so bist du und ich ich dummes mädchen greife danach, immer ferne zu spät: schon habe ich heimat zu dir hinüber geworfen -- noch im Hals brichst du mir die Halme: Wort so spucke ich dich aufs Papier für Wellen – schlag. mich. ortwärts. -- Behutsam lagen wir beieinander, tranken Vergessenheit gegen die Welt und horchten der Dämmerung über der Stadt und ein bisschen Musik zog Kringel in unser Haar. Die Worte aber erstickten im Saum des Niemals noch hinter den Lippen. Dreh um. -- über Jahre versprochen, schrieb ich, den einen vor Jahren versprochen als Wind unsere Namen zerwarf. so tosend. im Gewächshaus war ich. im Glashaus. und du irgendwo in dir verloren. aber versprochen, als Wind uns ineinander wehte und wir halb totgestreift im Sturm nur Fetzen von Haut des anderen bargen um uns vor Kälte vor Blösse damit zu schützen über Jahre allein über Jahre versprochen, den einen, und nun im Gegenwind, so stumm, gegeben, den einen Kuss. was nun. -- der wind bläst sand über die dächer. vergrabe sie. sie atmet schwer atmet röchelnd der sturm versperrt wütend die ausgänge versperrt wahnwitzig versperrt. fremd peitscht zorniges begehren. schlag zu. das leben in einer nacht, mehr ist tritt ins schale mehr ist sterben. in einer nacht das leben schlag zu sie beugt sich nicht schlag zu sie will. wolken quellen den brustkorb zum sprung. das auge verloren im september. küsse und sanftes streicheln. das leben in einer nacht es ist keine zeit schlag zu schlag zu es muss reichen. sie wacht auf. im september zitternd die wange schwarz. ein sterben. blühend geliebt zum sterben. der wind bläst sand über. kein dorf keine dächer. ausgeatmet. die eine nacht ein leben. -- Wie Säure so sanft Die Ferne zerknüllt unter meinem gebetteten Kopf und unsere Namen zittern Nähe über unsere Leiber. In Ahnung verflochten heisern wir ein Wo bist du? und rufen nach Orten des ersten ewigen Mal. Später: nun in Nacht zerflossen und in Schweigen verkümmern wir veratmet zu einem verlorenen Hier. -- stummgefleht. in worten die quellen wie harz in wahnwebenden worten. in sinkenden. zeit. ein epochaler irrflug zu worten aus bernstein zu worten unter sedimentärem herzgefüge verkeilt nach distanzbruch. ferne orte verflochten ortlos sich umwindend. ferne münder weltverloren. ineinandergewütet. -- Berlin grüne Schuhe tragen mich durch die Strassen und aus verborgenen Ecken flüstern vergangene Zeiten von Sehnsucht Quellmund: weil ich Scherben nach Hause sprach die meine Kehle weinen lehrten. und so zerwölbte sich mein Gesternhimmel ist schmerzstumm hin gegen den Horizont verstorben werde aus dem Winkelwispern du mir nun zum Phönix, denn: die Welt ist schwarzweiss und ich im roten Kleid wartend -- Kol Nidrei schädeldeckenschreie türmten wolken wühlten den himmel, wühlten ihn wund und ich spielte spielte lechzend windend brannte mir kruste von meinem leib spiele, wirre, ja spiele spiel für dein schwarzes haar, spiel dass du den bogen mit seele bespannst und spiel dürstende, sing deine finger blutig sing, damit dein becher sich füllt im auge. nun zitternd im auge blindberührt und nackt -- Seitenschweigen Ich schnitze mir Worte in die Fusssohlen, deine, weil ich nicht darf und weil nur Füsse tragen können. Fernflimmernd reibe ich Giftgras dann auf meine Brüste, damit mein Herz in die Fersen sich flüchtet, um dort die Worte, deine, in Blüte zu tränken. Wortmal wird Wahntal Und ich sehne durch die Wiesen, deine, heimlich kopfunter. Weil ich verschweige. Weil heute nur Füsse mir Boden sind. -- meine täler ich glätte mir die sehnsucht aus der stirn damit deine freiheit sich nicht in meinen schluchten verliert und eben bin ich jetzt flehend aber hinter der gespannten maske windend: so schäle mich doch! -- fluchtpunkt du treibst funkenschlag mit deinen händen auf meinen schalenleib wenn wir uns lieben und es brennt für flutende augenblicke mir wege nach aussen -- verhallte Stelle links der Mitte. ich habe die Melodie vergessen die beiläufig drängend die Welt mir gesungen hat -- aufleben die blätter rauschen leise die wehmut in meine verdorrte kammer und die brechenden äste der palisaden ritzen an den wänden, dass endlich mein blut mich giesst

22.4.07 11:13, kommentieren